Aufstand im Kaufhaus

Ein Psychiater mit österreichischer Familiengeschichte kehrt aus New York nach Wien zurück und wird dort in einen Arbeitskampf der Beschäftigten eines Kaufhauses als Geburtshelfer einer Revolte involviert. Im Ergebnis wird sogar die Regierung gezwungen für drei Monate ins Ausland zu gehen. Und eine Zwischenregierung plakatiert: „Wohlergehen aller statt Bereicherung weniger“.

„Der Beschäftigten-Aufruhr wird erst zu einem Grätzel-, dann zu einem städtischen, schließlich zu einem landesweiten Protest gegen Ausbeutung und anti-, richtiger: asozialen Kapitalismus“ schreibt die „Wiener Zeitung“ (9.5.2020) zum neuen Buch von Michael Scharang und vergleicht es mit dem Aufruf „Empört euch!“, des französischen Résistance-Kämpfers Stéphane Hessel.

„Aufruhr“ zeigt eine rote Linie seit Scharangs Frühwerk „Charly Traktor“ von 1973, freilich mit einer 2020 geänderten Problemlage. Der Anspruch des aus einer Kapfenberger Arbeiterfamilie stammenden widerspenstigen Autors – er lehnte 2016 aus Protest eine Ehrung der Stadt Wien ab – auf Kritik des realen Kapitalismus ist geblieben, was in neoliberalen Zeiten keineswegs verständlich ist.

Zur Charakterisierung der Intellektuellen „Hilflos, aber nicht unwissend“ widerspricht Scharang dem Vorwurf der Resignation: „Hilflos, was die Machtverhältnisse anbelangt, aber wissend als Aufklärer.“ Die Vision des Romans ist „eine friedliche Anarchie“, „eine erstmals demokratische, aufrecht antifaschistische Regierungsstruktur ohne Regierung, eine Graswurzelbewegung, die real sozial ist, auf dass niemand mehr sich knechten muss, um ökonomisch gerade so zu überleben, sondern jede und jeder von bezahlter Arbeit wirklich leben kann“ (Wiener Zeitung, 4.7.2020).

Recht skeptisch resümiert hingegen „Die Presse“ (29.5.2020), Scharangs Roman würde „an der Lust des Autors, alles zu erklären“ scheitern und räsoniert über einen „unbefriedigenden Schluss eines Romans, der Lesende am Gängelband führt. Und kritisiert, dass „zwar die Welt dargestellt wird, wie sie noch nicht ist, doch nicht, wie sie ist“ als ein „Alibi, welches der Autor benötigt, um seine Gesellschaftsanalyse zu platzieren.“ Denn solches scheint unerwünscht.

Michael Scharang, Aufruhr, Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2020. 312 Seiten, 24,70 Euro.

Dauerbrenner Kuba-Embargo

In der klassisch-imperialistischen Politik wurde mit Sanktionen, Blockaden oder Embargos als Vorstufe zum offenen Krieg nicht lange gefackelt, wenn Machtansprüche oder Geschäfte in Gefahr waren. Heutzutage beruft man sich dabei recht scheinheilig auf Demokratie und Menschenrechte. Zumal völkerrechtlich Sanktionen nur legitim sind, wenn sie auf ein UNO-Mandat gestützt sind.

Ob Sanktionen gegen Russland wegen Krim und Ukraine, gegen den Iran wegen angeblicher Nichteinhaltung des Atomvertrages, gegen China wegen unerwünschter Konkurrenz, gegen Unternehmen die Geschäfte mit Gaslieferungen aus Russland machen – die Liste ist lang und der Ruf nach Sanktionen wird von USA und EU fast täglich aktualisiert.

Predigt man in Sonntagsreden den Freihandel als oberstes Gebot des Neoliberalismus, führt man diesen wochentags mit Embargos ad absurdum. Wenn dabei auch Unternehmen aus „verbündeten“ Ländern ins Visier geraten gilt das als „Kollateralschaden“, geht es doch auch darum, der Konkurrenz im eigenen Lager eins auszuwischen.

Die Wirkung von Sanktionen ist jedoch eher bescheiden. Laut Wikipedia hat eine US-Studie nur 79 von 120 Sanktionen zwischen 1914 und 1990 Wirkung zugebilligt. Schließlich suchen sich sanktionierte Staaten andere Partner für Geschäft und Politik oder verstärken gezwungenermaßen ihre Autarkie.

Ein „Dauerbrenner“ solcher Sanktionen ist das jetzt 60 Jahre alte US-Embargo gegen Kuba, verhängt nach der kubanischen Revolution und Orientierung Kubas an der Sowjetunion. Die sozialistischen Länder sind zwar schon lange Geschichte. Weil Kuba trotzdem seinen sozialistischen Weg behauptet, wurde das US-Embargo fortgesetzt und unter Trump verschärft. In der UN-Vollversammlung unterstützen nur wenige Vasallen die USA, über den Willen der Mehrheit setzt man sich hinweg.

Zynisch werden US-Waffenlieferungen an Mörderregime als völlig legitim gesehen, hingegen Medikamente nach Kuba unter Strafe gestellt und Lieferanten vom US-Markt ausgesperrt. Seit 2019 läuft daher die Solidaritätsaktion „Unblock Cuba“ gegen das US-Embargo gegen Kuba. Kuba-Solidaritätsgruppen, fortschrittliche Organisationen und Medien in ganz Europa wollen damit Druck auf die US-Administration, aber auch deren europäische Verbündete erzeugen.

Leo Furtlehner

Veggie-Sexismus

Bei einer Vegan-Wall im Juli in der Linzer Landstraße standen alle paar Meter junge engagierte Menschen mit Tafeln, Transparenten und Infotischen mit veganen Kostproben. Im Vorbeigehen bekam man den Eindruck, dass sie allesamt sehr umweltbewusst und gesellschaftlich reflektiert seien.

Doch dann steht da plötzlich ein junger Mann mit dem Spruch „VeganerInnen sind gut zu Vögeln – Und zu allen anderen Tieren auch“. Kaum zu glauben, dass dieser idiotische Macho-Spruch verwendet wird, um Aufmerksamkeit auf das Thema Tierleid zu lenken. Welche Zielgruppe will er mit dem Spruch erreichen? Stammtischbrüder, die erfahrungsgemäß lieber ein saftiges Schweinernes als eine Tofu-Bowl futtern?

Ein paar Meter weiter stehen zwei junge Veggie-Aktivistinnen. Ich frage sie, ob sie der Spruch ihres Kollegen nicht stört. Sie belächeln mich mitleidig und meinen, ich hätte den Spruch nicht zu Ende gelesen. Auf meine Erwiderung, dass ich zwar alt, aber nicht blöd bin und mir mehr Sensibilität im Umgang mit sexistischen Sprüchen erwarte, zucken sie nur die Schultern.

Jahrzehnte feministischer Bewegung sind offensichtlich spurlos vergangen. Frauen – wir haben noch viel zu tun!

Karin Antlanger

Zeit für Autokorrektur

Dass die Art wie wir uns fortbewegen und welche Verkehrsmittelwahl wir treffen, eng mit Fragen des Bauens, der Land- und Stadtgestaltung zusammenhängt, steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Autokorrektur“ im Linzer Architekturforum (afo).

Die kleine, inhaltlich und im Design sehr ansprechende Ausstellung versucht eine Korrektur. Während Politik und Medien sklavisch am Auto festhalten – aktuelles Beispiel die Posse um den autofreien Linzer Hauptplatz – wird hier aufgezeigt, dass die Dominanz des Autos in unserem Leben nicht zwangsweise für immer bestehen muss. Eine Mobilitätswende ohne Lebensqualitätsverlust ist machbar, vor allem auch durch eine andere Raumplanung und -gestaltung.

„Autokorrektur“ verlangt mehr als nur ein paar, meist technische Neuerungen und kosmetische Verbesserungen am System. Es müssen die „drei V“ in der richtigen Reihenfolge beim Verkehr angewendet werden, wenn nicht alles doch wieder beim Alten bleiben soll. Also zuerst Verkehr vermeiden, dann auf andere Verkehrssysteme verlagern und zuletzt erst technisch verbessern.

Die Ausstellung war bis 16. Oktober im afo (Linz, Herbert-Bayer-Platz 1) zu sehen.

Michael Schmida

Im Hauptstadtwahn

Linz ist unter den Finalisten auf dem Weg zur europäischen Innovationshauptstadt, jubelt der Linzer Bürgermeister. Das Innovationsklima vom Startup bis zum Industriekonzern passt, meint der Linzer Siemens-Direktor.

Der Wandel von der Stahl- zur Digitalstadt stehe kurz bevor. Viel Geld und heiße Luft wenn es wieder mal darum geht ein neues Branding im Standortwettbewerb für die Stadt zu ergattern.

Lang ist es her seit die Bürgermeisterpartei Linz zur Sozialhauptstadt Österreichs machen wollte. Stattdessen fielen dem Sparstift in den letzten Jahren soziale Angebote zum Opfer. Zusätzliche Stadtteilzentren liegen auf Eis und der Landesrechnungshof ermahnt die Stadt zum harten Sparen beim Aktivpass, dem Umweltticket, den Kindergarten-Tarifen und den Seniorenclubs.

Die KPÖ hat sich immer gegen Kürzungsprogramme ausgesprochen. Und kann sogar auf die Durchsetzung einer sozialen Innovation verweisen. So ist der Kautionsfonds zur Unterstützung für Menschen mit geringem Einkommen bei der Neuanmietung einer Wohnung auf Initiative der KPÖ im Jänner 2020 eingerichtet worden. Hilfreiches also statt Schall und Rauch.

Gerlinde Grünn

Hunger

Eine im Widerstand gegen die Nazis wichtige Frau war Maria Ehmer aus Gschwandt bei Gmunden. Obwohl selber an großen Hunger leidend und immer in Sorge ihren Sohn Bruno durchzubringen, sammelte sie mit anderen Frauen für die „Rote Hilfe“ Geld, um es dann mit dem Fahrrad nach Ebensee zu bringen, von wo es dann an die Partisanen ins innere Salzkammergut weitergeleitet wurde.

Ihr nach dem 2. Weltkrieg geborene Sohn Josef schilderte mir folgende Geschichte: „Meine Mutter hat oft von den für sie sehr anstrengenden Fahrten mit dem Rad nach Ebensee erzählt. Die Straßen waren damals ja zum Teil noch Schotterstraßen. Einmal kam sie zu ihrer Kontaktfamilie, kommunistischen Genossen, die gerade bei einem – im Empfinden meiner Mutter – üppigen Mittagessen saßen.

Meine Mutter wurde nicht eingeladen auch nur ein bisschen mitzuessen. Obwohl sie extrem hungrig war und den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, war sie zu stolz, von sich aus um etwas zu bitten (in ihren Worten: zu betteln), und radelte hungrig den ganzen Weg wieder zurück.“

Hans Staudinger

Im Spital

Die Gartlerin war lange nicht im Garten, dafür im Spital, in dem, das vor nicht allzu langer Zeit endgültig dem Land OÖ in den Rachen geworfen wurde. Die Kommune hat jede Beteiligung abgegeben, aus dem AKH wurde das Kepler Universitätsklinikum, jetzt betrieben vom Land in Kooperation mit der Kepler Uni.

Und dadurch wurde das Spital von einem Ort der bestmöglichen Gesundheitsversorgung zu einem Prestigeprojekt. Nichts gegen Wissenschaft und Lehre, nur weht halt seither ein anderer Wind.

„Wirtschaftlichkeit und Effizienz“ wird das genannt, wenn für die Universität ein nagelneues Gebäude hingestellt wird, für das ein Großteil des wertvollen Innenstadtparks mit altem Baumbestand geopfert wurde, auf der Station das Pflegepersonal vor Stress rotiert und das Bad aus den 80ern schimmelt.

Für Renovierung gibts offenbar kein Geld. Dafür wird man nach der Religionszugehörigkeit gefragt und im Zimmer hängt ein Kreuz. Müssen neue MitarbeiterInnen bald nachweisen, dass sie regelmäßig Kirchenbeitrag zahlen? Schleichende Katholisierung! Lehrende Frauen an der neuen Medizinuni: Null.

Das missfällt Eurer Mira Mohn

Im Enddarm der Macht

Als gelernte ÖsterreicherInnen wissen wir, dass die ORF-Sommergespräche nur etwas für MasochistInnen sind. Wer kann, hat zu deren Sendezeit etwas anderes zu tun oder schaltet nach zehn Minuten ab.

Der Blutdruck dankt es, denn entweder sinkt er aufgrund der Fadesse unter die Wahrnehmbarkeit oder er steigt in lebensbedrohliche Höhen wegen des Schwachsinns, der hier von dem einen oder der anderen PolitikerIn verbreitet wird. Es reicht, eine Zusammenfassung derselben am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen.

„Die Grünen sind dort, wo sie hingehören, nämlich im Zentrum der Macht“, mit diesem Ausspruch verblüffte Werner Kogler sogar überzeugte Grüne. Das kommt davon, wenn man keine Klassenanalyse hat und glaubt, dass die österreichische Bundesregierung das Zentrum der Macht sei. Aber vielleicht war ihm einfach zu heiß. Fast möchte man die bösen Gerüchte über Alkoholabusus glauben, was natürlich politisch absolut unkorrekt wäre.

Pete Seeger witzelte schon vor vielen Jahren über die unglaubliche Naivität des Wahlvolks indem er sang: „…Our leaders are the finest men and we elect them again and again …That’s what I learned in school today…“

Karin Antlanger

Cartoon: Karl Berger

Ein Kriegsmenü an der oberen Adria

Herr Groll auf Reisen: Groll besucht Ronchis nächst Udine und klärt über die Hintergründe des Marchfeldkanals auf. Von Erwin Riess

Fährt man von der alten Via Giulia Augusta, die Grado mit Udine und den Dolomiten verbindet, in Aquileia ab und nimmt die Regionalstraße nach Ronchi, überquert man nach gut einem Kilometer einen unscheinbaren Kanal. Unmittelbar nach der Brücke befindet sich eine Trattoria mit einem großzügig dimensionierten Parkplatz. Groll und der Dozent waren von hier aus aufgebrochen, um den Kanal zu beobachten, lange waren sie auf der Brücke gestanden, der Dozent mit einem Kunstreiseführer und Groll mit einer Lagunen- und Binnenschiffahrtskarte von Friaul.

Der Kanal, hatte Groll ausgeführt, sei zu römischen Zeiten mit den Wassern des Natissa gespeist worden, der wiederum den Binnenhafen von Aquileia dotierte, eine der größten Hafenanlagen der Antike. Der Dozent hatte ungläubig zugehört, dem Rinnsal vermöge er dessen große Vergangenheit nicht anzusehen, und auch die Lektüre des Aquileia-Kapitels helfe ihm nicht weiter.

Unbeeindruckt war Groll in seinen Erklärungen fortgefahren. Das Hafenbecken sei dreihundert- fünfzig Meter lang und fünfunddreißig Meter breit gewesen. Es könne kein Zufall sein, dass diese Maße exakt den Abmessungen der gegenwärtigen Kreuzfahrtschiffe entsprächen, die auf der berühmten Fincantieri-Werft im nur wenige Kilometer entfernten Monfalcone gefertigt würden. Der Dozent hatte nur den Kopf geschüttelt und gemeint, die Komplexe der Binnenschiffer drückten sich unter anderem darin aus, dass sie andauernd Maße mit der Seeschiffahrt vergleichen müssten. Er fühle sich darin in seiner Meinung bestärkt, dass Binnenschiffer eben doch nur die kleinen Brüder der Seeschifffahrt seien. Unsinn, hatte Groll gerufen und auf den Kanal des Natissa gewiesen. Der Hafen von Aquileia sei ein kombinierter See- und Binnenhafen gewesen, ähnlich den Häfen Lissabons, New Yorks, Hamburgs und Antwerpens. Daraufhin hatte der Dozent eingeworfen, dass im Jahr 453 Aquileia, damals immerhin die bedeutendste Stadt nördlich von Rom mit einigen zehntausend Einwohnern, und ihre Hafenanlagen von Attilas Truppen zerstört worden seien. Der Patriarch von Aquileia sei ins uneinnehmbare Grado geflüchtet und habe diese wunderbare Stadt im Stich gelassen.

Die Stadt sei längst am Ende gewesen, hatte Groll erwidert. Die Hunnen hätten eine Hülle vorgefunden, eine Geisterstadt, die sich längst selber aufgegeben hatte. Der Grund sei, wie nicht anders zu erwarten, in der Vernachlässigung der Schifffahrtswege gele- gen. Einem unbedeutenden Kaiser, der mit Aquileia über die Höhe der Olivenölsteuer im Streit lag, sei es nämlich gelungen, die beiden Flüsse, den Natissa und den Natisone, von Aquileia zum Isonzo umzulenken, worauf die Hafenanlagen und das merkantile Leben in der einst blühenden Stadt buchstäblich austrockneten. Woher Groll das wisse, hatte der Dozent gefragt. Von der Geschichte und den militärischen Hintergründen des Marchfeld-Kanals, hatte Groll geantwortet. Die offizielle Begründung für den Kanalbau – die Erhöhung des Grundwasserspiegels im Marchfeld – sei für jeden Beobachter als plumpe Ablenkung vom wahren Zweck des Kanals zu erkennen, nämlich Wien langfristig von der Donau abzuschneiden und, im Falle des Scheiterns der Verhandlungen zum Finanzausgleich, auszutrocknen. Wenn die Wiener einst mit Töpfen und Kannen zum Marchfeldkanal pilgern, der dann die zehnfache Dimension des gegenwärtigen haben werde, schlage die Stunde der niederösterreichischen Landesfürsten. Diese werde Wien austrocknen und zu einer Bezirksstadt Niederösterreichs degradieren. Gut möglich, dass sie oder er sich danach im Stiftsheu- rigen Klosterneuburg zum Kaiser krönen lasse.

Dann saßen die beiden im Schatten des weithin sichtbaren Turms neben der Basilika und tranken Kaffee. Der Dozent hatte sich so in Rage geredet, dass er zwei Cam- pari zur Beruhigung nötig hatte. Groll fand mit einer Flasche Merlot aus den Hügeln des Collio das Auslangen.

Die Banalität des Bösen

Dan Rocker über neue Schikanen bei der sogenannten „Sozialhilfe“

Wenn man glaubt es geht nichtmehr, kommt irgendwo eine Verordnung her. Dass die Umwandlung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung in die sogenannte „Sozialhilfe Neu“ für die Betroffenen wenig Gutes bringen wird, war von Anfang an klar. Ein erstes Fazit der Verschlechterungen wurde auch im Cafè KPÖ bereits gezogen.

Doch nun ist den Schreibtischtäter*innen im kafkaesken Schloss namens Land Oberösterreich eine neue Methode eingefallen, mit der sie Menschen in großen Notlagen weiter nach unten drücken können, nämlich die Ausweitung der Anwendung eines Richtsatz für Lebensgemeinschaften auf Personen, die in Heimen wohnen.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, wenn Menschen eine Lebensgemeinschaft, sprich einen gemeinsamen Haushalt führen, sich ihre jeweiligen Lebenserhaltungskosten reduzieren. Für zwei oder drei Menschen zu kochen, ist pro Person gerechnet billiger als für eine einzelne. Daher bekommen Sozialhilfebezieher*innen, die gemeinsam wohnen, geringere Richtsätze ausbezahlt. An sich schon unnötig, aber im Prinzip nachvollziehbar.

Dass nun aber Wohnsituationen etwa in Wohnungslosenheimen, Notschlafstellen oder auch Frauenhäusern als gemeinsame Haushalte gerechnet werden, ist allerdings nicht nur lebensfremd, sondern schlicht skandalös! Hierbei handelt es sich schließlich um keine frei gewählten Lebensgemeinschaften, daher auch um keine gemeinsamen Haushalte. Nur die ähnliche persönliche Notlage, ob Gewalt in der Familie oder Wohnungslosigkeit, hat die jeweiligen Menschen in die Heime, die meist aus Platzmangel mit Gemeinschaftsküchen ausgestattet sind, getrieben.

Den Betroffen daraus einen Strick zu drehen und die Menschen mit 600 und ein paar Zerquetschten Euros monatlich abzuspeisen, ist absolut letztklassig, aber in unserem Bundesland bittere Realität. Wer ist nun für diese Sauerei verantwortlich? Die zuständige Landesrätin würde man meinen. Doch Birgit Gerstorfer weist jede Verantwortung für diese unerträgliche Situation von sich. Via dem Onlinemagazin Kontrast.at lässt Gerstorfer verkünden: „Sie ist in der Proporzregierung im schwarz-blauen Oberösterreich Soziallandesrätin und muss umsetzen, was ÖVP und FPÖ auf Landesebene beschlossen haben.

Darunter fällt eben die Kürzung beim gemeinsamen Haushalt, die Notschlafstellen und betreute Wohnformen betreffen.“ Blöd gelaufen. Vor allem für die Betroffenen.