Verführung

Beginnt man die Bildanalyse beim Titel Verführung, fragt man sich, wer verführt wird. Es sind drei Personen zu sehen, oder besser eine Collage dreier Personen. Von denen aber nur eine den Blick erwidert oder anwesend ist.

Der Text* im Bild bringt uns auch nicht weiter, hier wird keiner verführt, der nicht mit einer solchen Aussage einverstanden ist. Was uns verführen könnte, ist doch eher die Gegenfrage nach der Sonne, zumindest verstehe ich sie als solche. Sie bringt uns weiter und zeigt, dass sich Kopta an solchen Aussagen, die man zuhauf in sozialen Medien finden kann abarbeitet. Ich lasse mich von der kleinen Sonne verführen, von einem Blick der standhält, kurzum vom unbegreiflichen, was der Kunst inhärent ist. Ich lasse mich von einer Gegenfrage verführen, die zum Philosophieren einlädt.

Möglicherweise hat Kopta auch einfach die Antwort auf Aussagen, bei denen man nicht mehr mit kann, gefunden. Die einfache Gegenfrage „Und wo ist Faktor Sonne?“ bringt manchmal alle Beteiligten weiter, als das Suchen nach einem Konsens, wo keiner ist.

*Die längste Zeit versuchen wir schon wert steigernde und Profit maximieren Prozesse einzuleiten und scheitern immer wieder am Alkoholismus und übermäßigen Schweinefleischkonsum der islamischen Bevölkerung.

Ismael Picker-Schiebel

Kurt Kopta: Verführung. Mischtechnik auf Bütten, 2016

Ein Brief nach New York

Herr Groll auf Reisen: Groll über die führenden Grünen als die vorbildlichen Bürger

Du hältst an der Columbia University eine Vorlesung über Österreich nach 1945 und begehrst von mir Auskunft über die Geschichte der Grünen, die ich aus der Nähe, du aber nur aus der Ferne deiner großbürgerlichen Herkunft nahe des Schlosses Schönbrunn mitbekommen hast. Außerdem warst du in den Jahren des grünen Aufstiegs in eine polnische Kriminalsoziologin verliebt und verbrachtest mehr Zeit zwischen Danzig und Krakau als in Österreich. Ich beeile mich daher, dir in aller Kürze ein paar Eckdaten zur Geschichte des Grünen über das große Wasser zu schicken.

Politische Beobachter fragen sich seit einiger Zeit, was mit den österreichischen Grünen los ist. Ihre vier Minister melden sich selten zu Wort, finden sich allzu leicht mit dem Ab- schmettern ökologischer Hauptforderungen durch den Koalitionspartner ÖVP ab und erweisen sich auch in früher „grünen“ Themen wie Asylpolitik, Minderheitenschutz, Behindertenpolitik und Frauenpolitik als lame ducks. Du siehst, ich passe mich deiner amerikanischen Sprachumgebung an.

Nicht nur läßt diese Arbeitsauffassung der Grünen zu wünschen übrig, ihre politische Zurückhaltung ist gar nicht nobel, sondern stammt aus dem politischen Supermarktregal mit der Aufschrift „faul & feig“. Augenscheinlich genießen sie die Annehmlichkeiten des so viele Jahre herbeigesehnten Regierungsdaseins. Man wolle gestalten, das Land nach vorne bringen und was der hohlen Phrasen mehr sind, wiederholen grüne Politikerinnen und Politiker. Der Subtext ist indes nicht zu überhören, er lautet: wir wollen an den Futtertrögen bleiben.

So weit, so vertraut von anderen Parteien. Wer sich aber nun verwundert oder empört über die angebliche Wandlung der Grünen zeigt, dem sei ein Blick auf die klassenmäßige Herkunft der Grünen und ihr kulturelles Umfeld empfohlen. Unter ihrer Basis und den Gründungspersonen befanden sich auffallend Kinder aus dem Großbürgertum, die teils linken Splittergruppen anhingen, wenige SPÖ-Dissidenten aber auch rechte Esoteriker, was einige Kommentatoren zu der Einschätzung veranlassten, die Grünen seien die bessere ÖVP-Jugend.

Die Grünen formierten sich seit den 70er Jahren, den Jahren des Protestes gegen den Bau des AKW Zwentendorf im Westen von Wien und sieben Jahre später bei der Verhinderung des Donaukraftwerks Hainburg östlich der Stadt durch die Besetzung der Au. 1986 gelang mit einer Namensliste der Einzug ins Parlament, Jahre der Flügelkämpfe und persönlicher Querelen waren die Folge. 2017 schafften die Grünen die Fünf-Prozent-Hürde nicht und flogen aus dem Parlament. Aber schon zwei Jahre später kehrten sie mit 14 Prozent und 26 Sitzen zurück. 2016 gelang dann der größte Erfolg der grünen Partei durch die Wahl ihres langjährigen Frontmannes, des Volkswirtschaftlers van der Bellen, gegen den Kandidaten der FPÖ. Die Grünen waren an der Spitze des Staates angekommen.

Günter Kerbler, ein Grüner der ersten Stunde, besitzt über tausend Zinshäuser in Wien und anderen Städten Zentraleuropas, er ist ein Fürst der Gentrifizierung. Pius Strobl ist der Zampano im ORF und Medienkonzernen, er beharrt darauf, daß die Mitleidsorgie „Licht ins Dunkel“ nach fünfzig Jahren immer mehr totalitäre Züge auf Kosten behinderter Menschen annimmt. Christoph Chorherr, Planungsstadtrat der Wiener Grünen nahm von den Oligarchen Benko, Tojner, Soravia, Kerbler, Hemetsberger und anderen Spenden und sorgte dafür, daß im Gegenzug Bauwidmungen günstig ausfielen. Mit den Spenden finanzierte er was? Eine Schule für behinderte Kinder in Südafrika.

Die Grünen sind im bürgerlichen Lager verankert. Sie machen es ihren Eltern nach und zeigen dabei alle Tugenden der Klasse. Sie sind nicht skrupellos oder geldgierig, sie heucheln nicht soziales Mitgefühl, sie nutzen öffentliche Funktionen nicht zum eigenen Vorteil, profilieren sich nicht auf Kosten sozial benachteiligter und diskriminierter Gruppen, lassen sich nicht von Glückspielkonzernen kaufen wie Eva Glawischnig, Grünen-Vorsitzende von 2008 bis 2017, sie sind nicht hochmütig oder futterneidig, intrigieren nicht einmal in Notfällen, sammeln nicht Posten um Posten und hohe Einkommen aus politischer Tätigkeit. Sie hinterziehen keine Steuern und sind in keiner Weise korrupt. Mit einem Wort: Die führenden Grünen sind vorbildliche Bürger.

Verehrter Dozent, ich hoffe, Dir gedient zu haben. Beste Grüße von der Donau an den Hudson!

Dein Groll

Einfach nur weg

Ein Buchtipp von Bärbel Rinner

Das eigene Unglück so weit vergrößern, bis man es nicht mehr sieht, scheint das Motto von Elas Eltern zu sein. Gleichzeitig den Blick verengen, bis nur noch ein Schrecknis übrig ist. Und dieses heißt Übergewicht, Fettleibigkeit, Fresssucht. So stellt sich das Unglück für Elas Vater dar, seine Frau ist zu dick und er hat die schlechte Nachrede. Die Speckpolster auf ihren Hüften sind der Grund, warum er nicht befördert wird und für alles andere auch, das schief geht.

Die Mutter will einfach nur weg, zurück in die Stadt. Das Landleben immer unter Beobachtung stehen ist nichts für sie. Aber es sind die 1980er, die Familie ist ein stabiler Käfig, niemand kann entkommen. Tochter Ela erzählt uns die Geschichte aus der Sicht ihres zehnjährigen Ichs, und in Zwischenkapiteln gewinnt sie als Erwachsene Einsichten im Gespräch mit ihrer Mutter.

Was Daniela Dröscher meisterhaft gelingt, ist, Unbehagen zu erzeugen, uns mitzunehmen in die Isolation der Kleinfamilie. Den Ausweg zu zeigen und gleichzeitig „Halt!“ zu rufen. Keine Flucht möglich, auch wenn die Tür scheinbar offen steht. Die Kinder und Enkel der Nachkriegsgeneration können es immer noch spüren, so war es, auf die eine oder andere Weise.

Der Vater ist schwach, aber sein Wille geschieht, weil er der Mann im Haus ist. Die Mutter hat Ambitionen, sie möchte lernen, weiterkommen, aber ach, die Familie, die Kinder, die Dorfgemeinschaft. Das Kind lernt, sich zu arrangieren, mal den einen, mal den anderen Elternteil unterstützend, auch geschickt lügen ist gar nicht so einfach.

Trotz des ungemütlichen Settings liest sich der Roman sehr angenehm. Vielleicht fühlt es sich so heimelig an, weil die eigene Kindheit auch ungefähr in diese Zeit fällt. Der ständige Unterton von Alltagsrassismus klingt allzu vertraut, Elas Mutter stammt nämlich ursprünglich aus Polen. Daniela Dröschers differenzierter Schilderung ist es zu verdanken, dass die Mutter keineswegs als hilfloses Opfer ihr Schicksal erleidet, sondern trotz allem eine selbstbewusste Frau mit festen Grundsätzen ist. Gerade das macht es uns als Leser*innen so schwer, mitanzusehen, wie sie in ihrer Lage verharrt. Diese Ambivalenz erhöht aber durchaus die Spannung. Eindeutige Leseempfehlung!

Daniela Dröscher, Lügen über meine Mutter, Kiepenheuer & Witsch, 2022

Vom Draber zum Gruber und retour!

Franz Draber war in den Steyrerwerken mit anderen aktiv in der Werks-Sportbewegung und organisierte in Steyr die Widerstandsgruppe gegen die Nazis. Im September 1942 wurden er und seine Weggefährten von der Gestapo verhaftet und schwerster Folter unterzogen.

Anfang 1943 überstellte man alle nach München ins Gefangenenhaus Stadelheim. Nachdem ihnen im Mai 1944 im Münchner Justizpalast ihre Todesurteile verlesen wurden, planten sie die Flucht, welche Draber und seinem Freund Bloderer am 30. November 1944 auch gelang. Nach acht Tagen und 200 Kilometern hauptsächlich zu Fuß erreichte Franz Draber die Furthmühle in Bad Hall.

Der Müller, ein entfernter Verwandter, päppelte ihn wieder auf und versteckte ihn dort über vier Monate hinter einem Bretterverschlag. Zu Ostern 1945 fuhr Franz, ausgestattet mit falschen Papieren eines Franz Gruber, mit dem Fahrrad 50 Kilometer bis Hinterstoder, wo er die restlichen Tage bis zum Kriegsende als Schafhirt getarnt verbrachte und nach der Befreiung wieder als Franz Draber zum Aufbau Österreichs beitrug.

Hans Staudinger

Zweierlei Maß

Innenminister Karner hat Verständnis: Rechtsradikale, die vor einer Unterkunft für Geflüchtete in Traiskirchen randalieren, Böller abschießen und Schrecken verbreiten sind ja besorgte Bürger, die ihrer Besorgnis Ausdruck verleihen. Sorge vor „ungebremster Migration“ ist eine berechtigte Sorge, meint er.

Der Minister hat auch gesagt, dass Rechtsextremismus pfui ist, das hat keinen Platz in Österreich, so sind wir nicht, und „Überfremdung“ sagt man nicht. Wäre ich Martin Sellner, ich verstünde das so: Weiter so, nur schreit halt keine Naziparolen und verhaltet euch etwas ruhiger.

Der Aufmarsch der rechtsextremen Rotte hat die Polizei völlig überrascht. Eine nachweislich seit Jahren rechtsradikal tätige Organisation trifft sich zur Hetzjagd, und das völlig unbemerkt von der Polizei.

Was das mit unserem Stadtteil im Linzer Süden zu tun hat? Jugendliche, die hier randalieren und Böller schießen, können nicht mit so viel Verständnis des Innenministers rechnen. Die würde er gern abschieben, einsperren, ausschließen, raus werfen.

Der Innenminister soll unverzüglich zurücktreten!

Empfiehlt Eure Irene Ira

Schläfst du schon?

Thomas Erlach über die Lohnpolitik des ÖGB

Der ÖGB ist laut eigener Definition die Kampforganisation der Arbeiter*innenbewegung. Große Kämpfe sind aber keine in Sicht. Ganz im Gegenteil. Der ÖGB beschränkt sich darauf Positionen zu äußern, ohne diese dann von irgendwelchen Maßnahmen begleitet zur Durchsetzung zu bringen. Wirtschaftskammerpräsident Mahrer verkündet stolz das Ende des Klassenkampfes, weil er meint, die Wirtschaftskammer hätte diesen gewonnen. Wir Kommunist*innen wissen, dass das nicht stimmen kann, weil laut Marx der Klassenkampf erst vorbei ist, wenn die Produktions- mittel in Händen der Produzierenden sind. Da sind wir leider ganz weit weg davon.

In Jahrzehnten der sogenannten Sozialpartnerschaft hat sich der ÖGB zu einem Dienstleister entwickelt, der für die Mitglieder aktiv ist und so eine weitgehende Entpolitisierung der Arbeitnehmer*innen erreicht hat. Gutes Beispiel dafür sind die Kollektivvertragsverhandlungen, von denen leider nur wenige so verlaufen, dass die Arbeitnehmer*innen durch Kampfmaßnahmen zu einem besseren Ergebnis beitragen dürfen. Dabei gibt es derzeit große Themen, die große gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen erfordern würden. Zuallererst würde anstehen wirksame Maßnahmen gegen die Teuerung durchzusetzen. Dann sollten wir uns die Macht in unserer Sozialversicherung wieder zurückzuholen. Die Regierung hat sich hier ein schweres Foul geleistet.

Der GLB hat sich damals vergeblich für einen Generalstreik eingesetzt. Es kam aber zu keinen wirklichen Protestmaßnahmen. Der 12-Stundentag und die 60-Stundenwoche gelten immer noch. Es gab keine nennenswerten Proteste. Dabei fordert der ÖGB seit Jahrzehnten eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden, die natürlich nicht vom Himmel fällt, sondern nur durch starke Kampfmaßnahmen durchsetzbar sein wird. Wir müssen die Politik endlich wieder auf die Straße bringen. Der ÖGB soll endlich aufwachen und sich an die Kraft seiner Mitglieder erinnern, und diese wieder aktiv werden lassen. Viele sind schon aus der Übung in der Beteiligung an Arbeitskämpfen Es braucht wieder große Mobilisierungen. Beginnen wir endlich damit. Das würde die österreichische Gewerkschaftsbewegung stärken und unsere Lebensbedingungen deutlich verbessern.

Red’ ma Deitsch

Ihrem Ruf als „Law and Order“- Partei wird die FPÖ mit ihrer Welser „Hausordnung“ mit „Fünf Geboten“ einmal mehr gerecht. Manche Gebote – sinnigerweise in Dialektform – sind banal, könnten aus einer Sonntagspredigt stammen.

Anders verhält es sich mit Geboten wie „Mach’ kan Lärm“, „Schmeiß’ richtig weg!“ und „Red’ ma Deutsch“. Dazu kündigte Bürgermeister Rabl auch den Einsatz der Welser Ordnungswache und Strafen von 85 bis 8.500 Euro an. Schreiende Kinder auf Spielplätzen, Musik in Wohnungen und Gärten, Hundegebell – das geht für Rabl gar nicht. Aber wo sonst als auf Spielplätzen sollen sich Kinder austoben können? Bei der Eröffnung eines Spielplatzes nahm Rabl ein Gesichtsbad in der Menge und betonte demonstrativ „Das ist unsere Sozialpolitik“. Wer solche Gebote aufstellt fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt in keiner Weise!

Für das Gebot „Red’ ma Deutsch“ müssen Beschwerden von Welser*innen in der Tonart „Ich höre kein einziges deutsche Wort!“ herhalten. Aber in Wels leben 128 Nationalitäten, werden 50 Sprachen gesprochen – da ist ein solches Gebot befremdend und überheblich. Gelungen ist der FPÖ allerdings, sich wieder sich als Ordnungs- und Überwachungspartei zu positionieren.

Leo Mikesch

Das Auto ist das Problem

Michael Schmida über den E-Boom im Verkehr

a traffic light road traffic shows red light.

Kürzlich haben die gemeinnützigen Unternehmen Neue Heimat und Linz AG angekündigt rund 150 bestehende Tiefgaragen in Linz mit E-Ladeinfrastruktur ausstatten zu wollen. Damit sollen in den nächsten zwei Jahren mehr als 5.000 Bewohner*innen in Mehrparteienhäusern die Möglichkeit erhalten, ein E-Auto zu laden. Großspurig wird in der Aussendung behauptet, die boomende E-Mobilität wäre eine wichtige Säule für die Klimawende. Nicht einmal bei Neubauten schaffen es aber dieselben Unternehmen flächendeckend Solaranlagen zu installieren.

Die städtische Linz AG hat im Gegensatz zu anderen Elektrizitätsversorgungsunternehmen den Einstieg in die Energiewende verschlafen. Serviceangebote bzw. Kooperationen mit kleinen und privaten Kunden oder mit Wohnungsgesellschaften bei der Planung und Installation von Photovoltaik- Anlagen fehlen weitgehend. Und auch die Neue Heimat errichtet weiter neue Wohnanlagen ohne Solarstrom vom Dach bzw. sind die Initiativen bei bestehenden Wohnobjekten nachzurüsten sehr überschaubar. Während diese zwei Unternehmen also wahrlich keine Vorreiterfunktion in der Klima- bzw. Energiewende und den Umstieg auf erneuerbare Alternativen spielen, wollen sie bei der vermeintlichen Alternative E-Mobilität vorne dabei sein. Das nennt sich dann „innovative Kooperation“ für die „umweltfreundliche E-Mobilität“, wie der Linzer Bürgermeister den zwei Unternehmen ganz wohlwollend attestiert.

Mit der „boomenden E-Mobilität” verhält es sich aber so wie mit vielen anderen technischen „Lösungen“ die nun die Klimawende schaffen sollen. Sie ändern strukturell wenig, sondern wollen vor allem die bestehenden Verhältnisse, zum Beispiel in der Mobilität, unverändert lassen. Die Probleme, für die der motorisierte Individualverkehr verantwortlich zeichnet, lassen sich nicht durch Austausch des Antriebsmotors lösen.

Nicht nur die Abgase stellen ein Problem dar, sondern die gesamte Mobilitätsform Auto ist das Problem. Bei den derzeitigen Strompreisen und Versorgungsunsicherheiten mit elektrischer Energie ist der Glaube an die Verheißungen der E-Mobilität im Individualverkehr noch dazu fast schon naiv. Wo soll der ganze Strom herkommen, wenn schon jetzt bei weitem nicht genug klimaneutral produziert wird?

König beim Zwiebelschneiden

Mein Opa wäre heuer 102 geworden, bereits Ende der 1950er ein Vorbild in Sachen Familienarbeit und Arbeitsteilung ist längst mal ein Blick fällig auf seine Koch- und Essgewohnheiten. Niemand zauberte so köstliche Salatmarinaden wie er. Berge von Zwiebeln fein zu schneiden oder Kraut zu schnippeln – da war er der King.

Haglich war er nicht, das Einzige, was niemals fehlen durfte war Zucker. Angetan hatten es ihm Kassler mit Sauerkraut und vor allem Süßes, aufgewärmter Hering in Tomatensauce, Monte-Rosa- und Kardinalschnitten vom Urbann. Eine Vorliebe hatte er auch für Brennesseltee, selbstgesammelt bei passendem Mondstand, hilfreich gegen sämtliche Unpässlichkeiten.

Selten ohne ein Kind am Arm, zuerst den eigenen, dann den Enkelkindern. Nebenbei brachte er mir das Einmaleins bei und erzählte mir selbstausgedachte Geschichten von der Fledermaus, Schulbücher einbinden war sein Metier. Sein Appetit war groß, der Mann war schließlich gut über 1,90. Erholungspausen waren selten, nachdem die Horde abgefüttert war, setzte er sich an den runden Küchentisch, schaufelte 4 Teelöffel Zucker in seinen Kaffee und widmete sich dem Gedichte schreiben.

Berta Blumenkohl

Willfährige Politik

Vom Landeshauptmann-Vize und Wohnbau-Landesrat Manfred Haimbuchner stammt bekanntlich die Aussage, dass in der Raumordnung die Politik mit Förderungen und nicht mit marxistischen Ideen arbeiten solle. Der freiheitliche Politiker hat damit unverblümt den hierzulande vorherrschenden Zugang im Umgang mit Grund und Boden und den damit zusammenhängenden Eigentumsinteressen auf den Punkt gebracht.

Aufgabe der Politik ist es demnach nicht Gesetze zu beschließen und ordnungspolitische Vorgaben im Sinne der Allgemeinheit zu machen, sondern die Förderung von jenen die besitzen. Das merkt man allerorts. Von nachhaltiger Raumordnung und Eindämmung des grassierenden Bodenverbrauchs ist Österreich deshalb weit entfernt.

Auch die IT-Riesen Google und Amazon planen gerade neue Standorte hierzulande. In Kronstorf baut Google ein Datenzentrum auf einer 50 Hektar großen Fläche. Amazon will wiederum ein Auslieferungslager in Sankt Valentin (NÖ) auf 20 Hektar errichten. Attraktive Verkehrsanbindungen – mit LKW und PKW natürlich – und gute Energieversorgung sollen für die Standorte zu sprechen. Eine willfährige Politik ohne Einsprüche wahrscheinlich auch.

Michael Schmida