Nazi-Nägel

Im Juni 1933 veranstaltete der ARBÖ sein erstes großes Etappenrennen für Rennräder. In Anlehnung an die großen Europäischen Touren wie Tour de France und Giro d’Italia stand der Versuch im Zentrum, sich auch in Österreich medial mit einer kleineren Tour zu etablieren und den schwindenden Mitgliederzahlen etwas entgegen zu setzen.

Das Rennprogramm führte in drei Etappen über 555 Kilometer durch die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark. Mit einem Geschwindigkeitsschnitt von beinahe 30 km/h hasteten die Rennfahrer mit ihren ein- bis dreigängigen Rennrädern über Landstraßen und Pässe. Tausende Schaulustige verfolgten das Rennen am Wegesrand und beklatschten die strampelnden Genossen.

Im Startbereich zur letzten Etappe in Bruck an der Mur streuten das Rennen sabotierende Nazis Nägel. Viertausend Fans echauffierten sich über diesen gemeinen Anschlag.

Nachdem die Straßen gereinigt wurden, konnte der Start mit kleiner Verspätung in Angriff genommen werden, und am Ende fuhr Karl Hamedl von Freiheit Hernals mit einer Gesamtzeit von 18 Stunden und 55 Minuten in Wien über die Ziellinie.

Hans Staudinger

Hunger

Eine im Widerstand gegen die Nazis wichtige Frau war Maria Ehmer aus Gschwandt bei Gmunden. Obwohl selber an großen Hunger leidend und immer in Sorge ihren Sohn Bruno durchzubringen, sammelte sie mit anderen Frauen für die „Rote Hilfe“ Geld, um es dann mit dem Fahrrad nach Ebensee zu bringen, von wo es dann an die Partisanen ins innere Salzkammergut weitergeleitet wurde.

Ihr nach dem 2. Weltkrieg geborene Sohn Josef schilderte mir folgende Geschichte: „Meine Mutter hat oft von den für sie sehr anstrengenden Fahrten mit dem Rad nach Ebensee erzählt. Die Straßen waren damals ja zum Teil noch Schotterstraßen. Einmal kam sie zu ihrer Kontaktfamilie, kommunistischen Genossen, die gerade bei einem – im Empfinden meiner Mutter – üppigen Mittagessen saßen.

Meine Mutter wurde nicht eingeladen auch nur ein bisschen mitzuessen. Obwohl sie extrem hungrig war und den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte, war sie zu stolz, von sich aus um etwas zu bitten (in ihren Worten: zu betteln), und radelte hungrig den ganzen Weg wieder zurück.“

Hans Staudinger