Verrechenkünste

Dario Krenn über das aktuelle Uni-Budget.

Anfang Juli gab Universitätskonferenz-Präsidentin Sabine Seidler bekannt, dass die Unis rund 475 Millionen Euro mehr brauchen, um den bisherigen Betrieb aufrecht erhalten zu können. Seitdem hat sich die Welt weitergedreht: Inflation und Energiepreise sind gestiegen, eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Für Bildungsminister Polaschek war es aber völlig unvorstellbar, dass mit steigender Inflation, steigenden Energiekosten und erhöhtem Heizbedarf in den kalten Monaten, entsprechend mehr Geld (nämlich 1,2 Milliarden Euro) für die Hochschulen notwendig sein wird, als man im Juli noch gedacht hat. Kann also Polaschek nicht richtig rechnen oder kalkulieren?

Nein, natürlich kann er beides, aber es ist schlichtweg von den Herrschenden nicht gewollt, dass Bildung ausreichend finanziert wird. Bildung wird nicht um der Bildung Willen betrieben (da könnten ja kritische Geister entstehen), sondern um passendes „Human-Kapital“ (Zitat von Polascheks Vorgänger Faßmann) zu „produzieren“. Die Unis sollen einfach Fachpersonal einsparen und die Studierenden die Zähne zusammenbeißen, wenn die Hörsäle nicht mehr ausreichend beheizt werden – es wird schon irgendwie gehen.

Prominenter Fürsprecher für eine ausreichende Finanzierung der Hochschulen ist hingegen Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger. In einer ersten Rede wies er darauf hin, dass seine Forschungsleistungen nur dank einer entsprechenden Finanzierung der Unis möglich gewesen sind. Sogleich stimmte die Boulevard-Presse in Jubelchöre nach dem Motto „Wir sind Nobelpreisträger“ ein und schaffte dabei das Kunststück, Zeilingers – fast prophetisch, fast mahnend klingende Worte – bei Artikeln über das kommende Budget ganz zu „vergessen“.

Brav wurde das Narrativ übernommen, dass für Bildung halt leider nicht so viel drinnen sei, aber die nicht ausreichende Finanzierung eh schon ein Erfolg ist – dem Herrn Minister Polaschek sei Dank. Es ist dann auch nur konsequent, die vorgesehenen Summen für das Bundesheer kritiklos zu übernehmen, denn das Heer brauche im Kampf gegen Windmühlen halt einfach mehr Geld. Damit hat man auch wieder einmal gesehen, dass das Budget auch Teil der Umverteilung von unten nach oben ist – und diese permanent weitergeht.