Kriegsgewinnler

„Ein markantes Zeichen des Niedergangs einer Epoche“ schrieb Michael Scharang, „ist der Meinungsterror, der als Meinungsfreiheit firmiert und den Meinungsbrei zum Ziel hat, der, täglich neu aufgekocht, immer dünner und geschmack- loser wird, bis öffentliche und veröffentlichte Meinung die geistige Klostersuppe für Arm und Reich sind – das Ideal jeder Volksgemeinschaft.“

Die Herstellung dieses armseligen und erbärmlichen Meinungsbreis ist selten so gut zu beobachten wie bei der Berichterstattung über die ungeheuerliche Teuerungswelle, die zahlreiche Menschen in Armut treibt und treiben wird sowie bei den Kommentaren zu den derzeitigen Lohnverhandlungen in den verschiedenen Branchen. Eine große Verelendungsoffensive ist im Gange. Die veröffentlichte Meinung, wonach der Markt eh alles regulieren werde, verschweigt, dass der Markt der Ort ist, auf welchem die Profite realisiert werden. Er hat nur die Funktion, diese in möglichst große Höhen zu treiben. Dar Markt ist der Ort, wo der Kapitalismus zu sich kommt. Die subalternen Klassen sollten nicht auf ihn hoffen.

Dazu und zu zahlreichen anderen Themen finden sie Beiträge in dieser Nummer. Es wünscht Ihnen eine anregende Lektüre

Ihre Café-KPÖ-Redaktion

Mediale Mobilmachung

Günther Hopfgartner über die Medien im Krieg

Immer noch kennt die Qualitätspresse nur einen Reflex, wenn sie über den Feind berichtet, welcher traditionell im Osten zu stehen hat: Allgemeine Mobilmachung im Rahmen der geistigen Landesverteidigung. Wer das für überzogene Polemik hält, dem sei die Lektüre jener Twitterblasen empfohlen, die das liberale Pressewesen in Österreich minütlich aufbläst. 

Vom Zivi zum PR-Agenten

Wie da ehemalige Zivildiener zu PR-Agenten westlichen Kriegsgeräts mutieren, ist aller Unehren wert. Da werden Mehrfachraketenwerfer oder auch panzerbrechende Munition abgefeiert und vom Redaktionsschreibtisch aus die Ukraine martialisch verteidigt. Man kann dieser wehrhaft-liberalen Glaubensgemeinschaft legitimerweise und ganz legal anhängen – muss man aber nicht.

Spätestens da beginnt mein grundsätzliches Problem mit der Qualitätspresse und ihrem zunehmend autoritären Diskurs: Von Anfang an genügte es nicht, dass man von links den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins auf die Ukraine unmissverständlich verurteilte, oder das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine betonte, wenn mensch dann nebensätzlich Kritik am Verhalten der NATO oder der westlich orientierten Oligarchenfraktionen in der Ukraine äußerte. Oder auch den Konflikt in einer komplexeren Auseinandersetzung diversester nationaler wie transnationaler Kapitalfraktionen verortete. 

Unter Generalverdacht

Derzeit gerät man aber auch schon mal unter den Generalverdacht des Putinverstehens, wenn man etwa eine rasche Verhandlungslösung im mörderischen Konflikt dringend für angeraten hält, anstatt wie etwa die Mehrzahl der KollegInnen in den Schreibstuben der vierten Macht, die „westlichen Werte” – oder auch „die europäische Familie” (Macron) – blutig vorwärts verteidigen zu wollen, bis zur Niederlage der russischen Armee, samt Regime-Change in Moskau. Nur zur Klarstellung: Es geht mir hier nicht um berechtigte und notwendige Kritik an einigen Linken, die – aus welch schrägen Gründen auch immer – in Putin ihren ideellen Support-Dog in der andauernden Trauerarbeit zum Verlust des realsozialistischen Blocks von anno dazumal sehen.

Es geht vielmehr um die aggressive Ausgrenzung jeder Art von abweichender Stellungnahme zur permanenten NATO-Presseaussendung, die seit Monaten alle (links-)liberalen Kommunikationskanäle verstopft.

Vaterland in Gefahr?

Üblicherweise kennt man diesen autoritären Gestus des Liberalen vor allem dann, wenn das Vaterland beziehungsweise das eigene Investment in ebenjenes in Gefahr scheint. Aber sind das Vaterland und sein Kapital tatsächlich und ausgerechnet in der Ukraine in Nöten?

Nicht so direkt möchte man meinen, obwohl sich die Konflikte zwischen diversen kapitalistischen Staaten und Staatenbündnissen aufgrund unterschiedlicher ökonomischer und machtpolitischer Entwicklungsniveaus in den vergangenen Jahren zunehmend verschärfen. 

Die aggressive Ausgrenzung der Linken im veröffentlichten Diskurs hat seine Ursache wohl vor allem auch in der zunehmenden Erschöpfung der gesellschaftlichen Kohäsionskraft liberaler Ideologie und Praxis weltweit. Da muss mit liberaler Propaganda dann das Bewusstsein nachjustiert werden.

Und da stört dann kommunistische/sozialistische Theorie und Praxis insbesondere das Narrativ einer heroischen Abwehrschlacht des Liberalismus gegen den Rechtspopulismus, welche das Pressekorps seit geraumer Zeit mit viel Pathos ans demokratische Publikum bringen, nachhaltig.

Zwei Oberschnorrer

Ein Kessel Buntes. Von Franz Fend.

Es passieren in dieser politisch trüben Zeit Koinzidenzen, die an Bizarrheit kaum zu überbieten sind, die beim Beobachter, selbst in dieser lausigen Lage eine Fröhlichkeit aufkommen lassen.

Da wäre zunächst H.C. Strache, dereinst Führer der am meisten rassistischen Partei, die sich stets in antisozialem Furor gegen jene hervorgetan hat (und tut), die kein Auskommen haben, die hingedroschen hat auf jene die ohnehin ganz unten liegen und die, wo es nur geht, Bettelverbote durchgesetzt hat. Dieser Ex-Parteiführer hat nun in den asozialen Medien einen Spendenaufruf lanciert, der ihn vor dem finanziellen Ruin retten soll.

Dass Strache, der zuletzt monatlich mehr als 19.000 Euro kassiert und sich ein Luxusleben auf Kosten der Allgemeinheit finanzieren ließ, das Publikum anschnorrt, hat ihm Häme eingetragen. Auch wenn es Strache betrifft, einem Bettelverbot würde der Verfasser trotzdem nicht zustimmen.

Gleichzeitig zu Straches Bettelbrief verkündet der ehemalige Minister, Landesrat und Nationalratsabgeordnete Rudolf Anschober, der ebenfalls jahrzehntelang von der Öffentlichkeit hoch alimentiert wurde, ohne dass er von seinen Ressorts jemals nur die geringste Ahnung gehabt hätte, er werde sich nun eine bürgerliche Existenz aufbauen.

Anschober hat dazu bei der „Kronen Zeitung“ als Kolumnist angeheuert. Es handelt sich durchaus um einen kausalen politischen Zusammenhang, dass Anschober in der am meisten rassistischen und der am schärfsten antisozialen Zeitung seine Kolumnen hinmacht. Er ist angekommen, wo er hingehört.

Oder, wie es ein Freund formulierte: „Rudolf Anschober sondert in der heutigen Krone – dort gehört er hin – eine Kolumne ab, die an Unverfrorenheit und Zynismus nicht zu überbieten ist. Ein stilistischer und inhaltlicher Supergau, exemplarisch für diese Grünen und ihn. Es offenbart sich Verderbtheit, Verantwortungslosigkeit und mehr, vor allem, mit Verlaub, Dummheit.“

Karl Kraus würde meinen: „Viele würden in Redaktionen rennen, bedürfte es nicht die spezialste der Gaben. Es genügt nicht keinen Gedanken zu haben: man muss ihn auch ausdrücken können.“ Man sollte korrigieren: Keinen Gedanken haben und ihn nicht ausdrücken können, das macht den Anschober.

Objektivität Marke ORF

Der ORF rühmt sich seiner journalistischen Seriosität und Objektivität. De facto wurde er in 15 Jahren Generalintendanz des „ursprünglichen Sozialdemokraten“ Wrabetz zu einem „Privatsender im Kleid des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ (OÖN, 7.5.2021).

In „Oberösterreich heute“ wurde am Abend des 1. Mai über den nicht stattgefundenen Maiaufmarsch der SPÖ berichtet. Totgeschwiegen wurde die tatsächlich stattgefundene Maidemo der KPÖ, der Mayday2021. Die rote Einfärbung des Linzer Hauptplatzes durch Roboter – für den zum Sozialliberalen gewendeten Innovations-Bürgermeister Luger offenbar das neue Proletariat der SPÖ – hatte Vorrang vor der linken Maidemo.

Zur Beschwerde über diese Missachtung des Informationsauftrages des ORF durch KPÖ-Landessprecher Schmida antwortete Chefredakteur Obereder, dass im Radio Oberösterreich zweimal die Maidemo angekündigt wurde. Im Klartext: Fernsehen gibt es nur für etablierte Parteien, die anderen werden mit einer Radiomeldung abgespeist.

So wird das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF untergraben. Und man fragt sich, wofür man die GIS-Gebühr zur Finanzierung des ORF zahlt.

Cartoon: Karl Berger, http://www.zeichenware.at

Männergewalt

Jedermann weiß, dass zum Streiten zwei gehören. Wenn der Streit „ausufert“, ist jemand verletzt oder tot. Das sind meist die Frauen. Sie wird es schon irgendwie herausgefordert haben, sie hat ihn provoziert/betrogen/verlassen.

Das „Ehedrama“ geht in Österreich für Frauen besonders oft tödlich aus, 2021 haben schon sechs Männer gemordet, wir haben Anfang Februar. Sind die Taten allein schon schrecklich genug, setzt der Boulevard hämisch noch eins drauf, mit Victim-blaming und großem Mitgefühl für den Täter, der „keinen anderen Ausweg mehr sah“ und in verständlicher Erregung leider zu weit gegangen ist.

Nicht nur Kleinformat und Krawallblatt, auch konservative Zeitungen vermitteln, die Opfer von Gewalttaten seien einer Art Naturkatastrophe zum Opfer gefallen. Tragisch, aber leider nicht zu verhindern: „Familientragödie: Dreifache Mutter (35) wurde in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Sie wies mehrere Stichverletzungen auf.“

Gegen Gewalt hilft Prävention in vielerlei Form, nicht zuletzt gleiche Bezahlung, um Unabhängigkeit zu gewährleisten. Gegen idiotische Berichterstattung helfen Leser*innenbriefe, jedes Mal, möglichst viele, möglichst deutlich.

Bärbel Rinner

Medialer Amoklauf

Karin Antlanger über ORF und Boulevard.

Der jihadistische Amoklauf in Wien vom 2. November ließ die österreichischen Boulevardblätter und TV-Privatsender wieder mal zu ihrer hässlichsten Hochform auflaufen. Fellners oe24.TV strahlte kurz nach den Attentaten Handy-Videos von Augenzeugen aus, die zeigten, wie auf Menschen geschossen wurde bzw. wurden auch Aufnahmen von Verletzten im genannten Schmuddel-TV-Sender gezeigt.

Auch auf der Website der Kronen-Zeitung fanden sich solche Videos. Diese Sensationsgeilheit à la „Bild sprach als Erste mit der Leiche“ führte dazu, dass etliche Großunternehmen wie Billa, Spar, Ikea, ÖBB und andere ihre Werbeeinschaltungen bei diesen Medien (zumindest vorübergehend) stoppten.

Und das war gut so, denn man muss diese Krawallmedien dort treffen, wo es am meisten weh tut: nein, nicht bei der journalistischen Ehre, sondern beim Geld! Die Streichung sämtlicher Presseförderungen für zumindest ein Jahr wäre eine angemessene Sanktion für derartiges journalistisches Fehlverhalten.

Aber auch der ORF ist nicht weit entfernt vom Boulevard: unterbrach er doch am 2. November sein Hauptabendprogramm und sendete von 21 bis 2:30 Uhr in der Früh eine ZIB Spezial, in der quasi in einer Endlosschleife abwechselnd von Orten der Ereignisse und aus dem Polizeiquartier berichtet wurde. Wobei „berichtet“ übertrieben ist, da überwiegend Menschen interviewt wurden, die „berichteten“, dass sie eigentlich auch nichts Genaueres wüssten, aber vielleicht, eventuell…

Diese fünfeinhalbstündige Kaffeesudleserei des ORF führte dazu, dass vor allem bei der älteren Landbevölkerung wieder mal der absurde Eindruck geschürt wurde, Wien sei ein gefährliches Pflaster, man könne dort kaum unverletzt durch die Stadt kommen und müsse in den Abendstunden unweigerlich einem Verbrechen zum Opfer fallen.

Es war absolut unseriös, stundenlang und redundant Unwissenheit und Unsicherheit auszustrahlen. Vielmehr hätten kurze, stündliche 5-Minuten-Berichte gereicht, diese mit dem Hinweis, dass die Ermittlungen noch im Gange sind. Vielleicht sollte man den ORF auch monetär für solche Fehlberichterstattung strafen.

Wohltat in bleierner Zeit

Gerlinde Grünn über die Ausstellung „Beim Schreiben werde ich mir fremd.“ Eugenie Kain (1960-2010) im Stifterhaus bis 27. Mai 2021

Eintauchen in eine Welt voll Erinnerungen und Poesie, das bietet derzeit die Ausstellung „Beim Schreiben werde ich mir fremd.“ des Linzer Stifterhauses über die Autorin und Schriftstellerin Eugenie Kain. Welche Wohltat und Trost ist dieser Ausstellungsbesuch in diesen bleiernen Zeiten einer in Krisen zerfallenden Welt.

Raum sinnlicher Wahrnehmung

Sechs als Boxen gestaltete Einheiten gewähren Einblicke in das literarische und journalistische Schaffen der viel zu früh verstorbenen Eugenie Kain.

Die Boxen unter den Überschriften Gehen, Fließen, Arbeiten, Träumen, Leben und Schreiben eröffnen eine Welt der Erinnerung und Poesie. Fotos, Filme, Tondokumente und Alltagsgegenstände von Eugenie Kain bilden einen Raum der sinnlichen Wahrnehmung und Berührung.

Das entspricht wunderbar der Persönlichkeit der Autorin und lädt zum mehrmaligen Wiederkommen ein. Im begleitend erschienen Sonderheft der Literaturzeitschrift „Rampe“ findet sich unter anderem auch die mit dem Max-von-der-Grün-Preis für Literatur der Arbeitswelt 1982 ausgezeichnete Erzählung „Endstation Naßzone“.

Es gibt wohl nur wenige literarische Texte, die es wie dieser verstehen die Arbeits- und Lebenswelt der Marginalisierten einzufangen.

Klarer Blick auf Verhältnisse

Und das zeichnet auch ihr Werk aus. Der klare Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten der Unterdrückung und Ausbeutung und die Sensibilität und Behutsamkeit im Umgang mit individuellem Erleben und Erfahrungen.

Ihr Prosawerk – die drei Erzählbände „Sehnsucht nach Tamanrasset“, „Hohe Wasser“ und „Schneckenkönig“ und die Erzählungen „Atemnot“ und „Flüsterlieder“ – gehören in jede Hausbibliothek und sind zur Schärfung des kritischen Auges und der Erbauung wärmstens empfohlen.

Journalistisches Engagement

Umfassend war auch das journalistische Engagement von Eugenie Kain. Ob in ihren Anfängen als Redakteurin der KPÖ-Tageszeitung „Volksstimme“ oder nach ihrer Rückkehr aus Wien bei den Linzer Medien „Versorgerin“ oder Radio FRO.

Immer aktuell hier etwa ihre Reportagen über die soziale und geographische Peripherie im „hillinger“ unter dem Titel „Linzer Rand“.

Von der Familie geprägt

Auch das Private kommt nicht zu kurz. Ihre Herkunft und Einbettung in eine vom kommunistischen Widerstand geprägten Familie, ihr Schriftstellervater Franz Kain, ihre Lebensgemeinschaft mit dem Liedermacher Gust Maly und die vielen die ihren Lebensweg kreuzten oder begleiteten, runden die Ausstellung ab.

Die Sicht ihrer Mutter Margit und ihrer Tochter Katharina auf Eugenie finden sich in der „Rampe“ zum Nachlesen.

Es bleibt zu hoffen, dass das Begleitprogramm nachgeholt und die Zugänglichkeit der Ausstellung trotz Pandemie im neuen Jahr wieder gewährleistet ist.

Café KPÖ #65


Anfang September 2020 erschien die Nummer 65 von „Cafè KPÖ“. Auch diesmal wieder in Farbe und auf 16 Seiten.

„Café KPÖ“ kann bei der KPÖ-Oberösterreich, Melicharstraße 8, 4020 Linz, Telefon +43 732 652156, Mail ooe@kpoe.at bestellt werden.

Spenden zur Finanzierung von „Café KPÖ“ auf das Konto Oberbank IBAN AT52 1500 0004 8021 9500, BIC OBKLAT2L sind immer willkommen.