Wer gar nix kann darf Kindergärtner werden?

Seit 1980 dürfen Männer in Österreich die Ausbildung zum Elementarpädagogen machen. Sie dürfen – aber wollen nicht. Nur zwei Prozent aller Kindergärtner*innen sind männlich.

Um die dringend gesuchten Männer für diesen Beruf zu interessieren, sollen nach einem Verordnungsentwurf des Bildungsministeriums die „schwierigen“ Eignungstests vereinfacht werden. Grundfähigkeiten in Zeichnen, Musizieren (einen einfachen Rhythmus nachklatschen) oder Sport (Purzelbaum schlagen) werden nicht mehr verlangt.

Das Image der Elementarpädagogik ist einerseits wegen der Bezahlung (Frauengehälter!) schlecht andererseits aber auch wegen der verstaubten und bürokratisierten Abläufe in öffentlichen Kindereinrichtungen. Nicht umsonst finden sich die meisten männlichen Pädagogen in privaten Outdoorkindergärten, wo auch kreativere und selbstbestimmte Abläufe möglich sind.

Es wird nicht reichen, den Purzelbaum zu streichen. Solange Frauen schlecht bezahlt werden und ihnen das Image von „Tanten, die ein wenig mit den Kindern spielen“ umgehängt wird, werden Männer nicht in diese Berufe drängen.

Karin Antlanger

Die Firma dankt

Sven Janson über zwei Unis, eine davon eine GmbH.

Nun hat also Linz als Landeshauptstadt das Rennen um den Standort der technischen Universität in Oberösterreich gemacht. In Wels herrscht darüber zwar noch etwas Gram, aber insgesamt erscheint der Standort als nicht ganz unlogisch, wenn man betrachtet was am Campus in Linz in den letzten Jahren so passiert ist.

Ziemlich überraschend war die plötzliche Ankündigung des damaligen Kanzlers Kurz, dass es zukünftig eine weitere Universität in Oberösterreich geben wird. Diese soll sich mit dem technischen, speziell dem digitalen Bereich beschäftigen. Grundsätzlich ist die Errichtung einer Uni ja nichts Schlechtes. Suspekt wird es nur dann, wenn sich die Frage nach dem Sinn einer neuen Uni stellt, denn letztlich hätten vorhandene Kapazitäten an anderen Universitäten ausgebaut werden können, auch an der JKU.

Es blieb also noch die Frage nach dem Standort und der detaillierten zukünftigen inhaltlichen Ausrichtung offen. Dass es in Richtung Zuarbeit und Ausbildungen für die IT und Industrie in (Ober-)Österreich gehen wird, wurde spätestens klar, als die Liste der Mitwirkenden der Konzeptgruppe für die inhaltliche Ausrichtung öffentlich wurde. Neben einem ehemaligen Google-Sicherheitschef, einem Vertreter von Dynatrace und anderen, ist auch die WKO auf der Liste vertreten.

Früher gab es dazu Kommissionen, die von verschiedenen Interessenvertretungen der Universität (darunter auch so genannte Studierende und ProfessorInnen) besetzt wurden. In diesen wurden dann Inhalte von Studiengängen fixiert. Nun bestimmen also Unternehmen selbst, was so gelehrt werden soll. Dazu passend auch der Standort – JKU. Speziell im Science Park lässt sich wunderbar beobachten, wozu Universitätsgebäude immer mehr dienen.

Sie werden vermehrt Forschungsstätten für große IT- und Industriekonzerne. Firmen wie Apple oder Oracle haben bereits Namensschilder an der Altenberger Straße 64 und forschen da, wie an Hochschulen üblich, im Interesse der Allgemeinheit und dem eigenen Profit mit Geld von der Allgemeinheit.

Da wundert nichts mehr. Auch nicht, dass die zukünftigen Verwaltungsangestellten nicht nach dem Kollektivvertrag für Uni-Bedienstete, sondern nach dem „general labour law“ bezahlt werden sollen, wie es im englischsprachigen Bericht der Konzeptgruppe steht. Die Firma dankt.

Foto: Links Wien

Vogelstrauß-Taktik

Daniel Steiner zur Personalmisere an den NMS.

Schulen auf? Schulen zu? Quarantäne Hui! Distance-Learning Pfui! Der weitgehend leistungsfreie Ministergehaltsbezieher Fassmann hat das Land durch seine kreativen Verantwortungsabschiebemaßnahmen in eine umfassende Dauerdiskussion verstrickt.

Dabei geht der Blick für eine essenzielle Krise, die zurzeit vor allem den Bereich der ehemals neuen Mittelschule betrifft, verloren, nämlich einen eklatanten Personalmangel. Überstunden häufen sich, auch Direktor*innen in den Klassenzimmern sind keine Seltenheit mehr. Von coronabedingten Krankenständen ganz zu schweigen.

Was ist geschehen? Eine Pensionierungswelle trifft auf eine Umstellung in der Ausbildung der Junglehrer. Ziel der Ausbildungsreform ist es „eine bessere Qualität, um Lehrer auf neue Anforderungen wie Sprach-, Frühförderung oder Individualisierung vorzubereiten.“ Dies durchaus hehre Ziel soll durch eine stärkere Akademisierung der Lehrer*innenausbildung durch einen verpflichtenden Masterabschluss für alle Lehrberufsanwärter*innen erreicht werden.

In den Volks- und den – nun nicht mehr neuen – Mittelschulen ist das Unterrichten für Berufsanfänger*innen schon mit Bachelortitel möglich, während man berufsbegleitend das Masterstudium absolviert. Und genau hier hakt es dann: Berufsbegleitend das Masterstudium zu absolvieren geht nur mit einer Teilzeitanstellung.

Jetzt muss man wissen, die Einsteigergehälter für Lehrer*innen sind nicht gerade üppig. Etwa 2.700 Euro brutto für eine Vollanstellung, da wird das Ganze bei mehreren Jahren in Teilzeit berufsbegleitend studierend arbeiten schon eng. Vor allem für Menschen, die von ihrem Einkommen auch tatsächlich leben sollten.

Dementsprechend sinken heutzutage die Zahlen der potenziellen Junglehrer*innen. Nachdem die bereits erwähnte aktuelle Pensionierungswelle wenig überraschend kommt, kann man den zuständigen Bildungsminister*innen seit Claudia Schmied durchaus Arbeitsverweigerung vorwerfen!

Dass die beschriebene Gemengelage, längere Ausbildung, miserable Anfangsgehälter plus Pensionierungswelle Österreichs Schulen in gröbere Probleme führen würde, ist seit mindestens einem Jahrzehnt absehbar. Deshalb: Nicht genügend! Setzen.

Techno Power

Mein technisches Studium habe ich 2012 mit 47 Jahren an der FH Wels abgeschlossen. Der Studiengang Produktdesign und Technische Kommunikation war auf „Wiedereinsteigerinnen“ ausgerichtet, die vom Arbeitsmarktservice dazu eingeladen wurden, welches auch die Kosten für das Einkommen in Höhe des Arbeitslosengeldes übernahm.

Die meisten Kolleginnen hatten kleine Kinder, etwa die Hälfte des Lernstoffs war zu Hause zu erarbeiten. Das wird vielen Frauen, die jetzt Homeoffice plus Homeschooling aufgebrummt bekommen, gut bekannt sein. Zu Hause arbeiten und „nebenbei“ die Kinder beaufsichtigen. In der Realität schaut das dann so aus, dass die Mütter die Lern- und Arbeitszeit eben von ihrer Nachtruhe abzwacken.

Trotz aller Schwierigkeiten ist das Programm Frauen in Handwerk und Technik (FIT) eine Erfolgsgeschichte, alle Kolleginnen hatten danach einen gut bezahlten Job. FIT existiert nach wie vor, entscheidend ist dafür aber, ob es auch offensiv beworben wird, damit Frauen überhaupt davon erfahren. Für das Arbeitsministerium hat die Höherqualifizierung von Frauen offenbar keine Priorität.

Wer soll denn mit den Kindern lernen, wenn sich die Frauen in die Fertigungshalle oder ins Forschungslabor vertschüssen? Na eben!

Bärbel Rinner

Selbst schuld, ihr Frauen!

Heike Fischer über Homeschooling in Corona-Zeiten.

Rolle rückwärts bei der Gleichberechtigung: Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie drängen viele Frauen in alte Rollenmuster zurück. Die Schließung von Schulen und Kindergärten hat den Alltag der Familien auf den Kopf gestellt. Frauen leisten Homeoffice und Homeschooling parallel, stemmen den Haushalt und halten dem Mann den Rücken frei.

Corona wäre eine Chance für mehr Gleichberechtigung. Denn alle sitzen im selben Boot: Möglichst zu Hause bleiben, im Homeoffice arbeiten, die Kinder am Küchentisch unterrichten. Die perfekte Gelegenheit die neuen Aufgaben fair zu verteilen.

Wann, wenn nicht jetzt, sollten Kollegen und Geschäftspartner Verständnis dafür aufbringen, wenn die kleine Emma in die Videokonferenz platzt, weil sie mal aufs Klo muss? Sollte Chef oder Chefin erklärt werden können, dass die Mittagspause verlängert werden muss, um dem Großen bei Mathe zu helfen? Hätten Eltern gemeinsam auf die besondere Doppelbelastung durch Job und Familie aufmerksam machen können? Doch es läuft anders. In der Krise übernimmt die Frau Kinder und Küche, der Mann konzentriert sich auf das Wesentliche. Eine Mutter sagt, es sei ihrem Mann einfach nicht zuzumuten, im Homeoffice die Kinder zu betreuen. Also tut sie es.

Die Männer halten sich für „systemrelevant“, obwohl meistens Frauen das System am Laufen halten. Sie sitzen an den Kassen der Supermärkte und Drogerien, schuften in Alten- und Pflegeheimen, erhalten in den Kindergärten den Notbetrieb aufrecht. Und nach der Arbeit gehen sie noch schnell einkaufen, kochen, schmeißen die Waschmaschine an und pauken mit den Kindern Englisch-Vokabeln. Mama macht das schon.

Frauen dürfen nicht einmal zu laut jammern. Sie hätten diese Rollenverteilung nicht schlucken dürfen. Sie hätten aufstehen, sich vor ihren Partner stellen und sagen müssen: „Mein Job ist genauso wichtig“. Sie hätten sich weigern müssen, die zusätzliche Last allein zu tragen. Dann würde die gesellschaftliche Debatte darüber in Gang kommen.

Es hätte schneller Konzepte für die Wiedereröffnung von Schulen und Kindergärten gegeben, wenn auch Männer die Konsequenzen der Schließung tragen müssten. Doch statt Fairness zu fordern, haben sich die Frauen dem jahrhundertealten Rollenbild unterworfen. Rückschritt statt Revolution: Eine historische Chance vertan!

Klare Chef- Sache

War es kürzlich nur eine Digital-HTL, soll es jetzt viel größer kommen: Der Bundeskanzler hat in seiner großzügigen und einnehmenden Art dem Land Oberösterreich eine zusätzliche Universität versprochen.

Alle in der oberösterreichischen Politik, vom Landeshauptmann angefangen, sind nun ganz happy. Was ist das denn für eine schöne Sache und ein Kompliment für den „Standort Oberösterreich“. Überhaupt sind sich alle einig, der Wirtschaftsstandort ist ganz wichtig und Hochschulen haben nur das eine Ziel diesem obersten Ziel zu dienen.

Dementsprechend schauen auch die Schwerpunkte der neuen Uni aus. Der Plan sieht ganz zur Freude der Industriellenvereinigung vor, eine technische Uni mit den Schwerpunkten Industrie und Digitalisierung bis 2024 zu gründen.

Die Spitzen der Wissenschaft oder die Uni-Vertreter*innen – in Österreich gibt es bereits drei TU-Standorte – wurden bei dieser Entscheidung gar nicht befragt. Nicht einmal der zuständige Bildungsminister durfte da viel mitreden.

So ist sie halt, die Kurz’sche Politik inklusive großer Ankündigungen: Für Standort, Wirtschaft, Vaterland entscheidet der Chef allein.

Michael Schmida

Generation Covid

Stefanie Breinlinger über Corona und Jugendarbeitslosigkeit.

Nach der Finanzkrise von 2008 bekommen die Menschen wieder einmal mit aller Härte zu spüren, dass die kapitalistische Marktwirtschaft neoliberaler Prägung mit wiederkehrenden einschneidenden Krisen und enormen sozialen Verwerfungen einhergeht. Sie bietet jedoch keine Lösungen für diese massiven sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die sie erzeugt.

Eine sozial gerechte Gesellschaft lässt sich nur durch staatliche Eingriffe herstellen. Der durch die COVID-19-Maßnahmen vertiefte wirtschaftliche Einbruch hatte massenhafte Arbeitslosigkeit zur Folge – dabei ist die wirtschaftliche und soziale Krise noch lange nicht ausgestanden.

Verlorene Generation?

Jugendliche sind von der aktuellen Arbeitslosigkeit noch stärker betroffen als die Durchschnittsbevölkerung. Derzeit sind rund 50.000 Menschen unter 25 Jahren ohne Job – das sind doppelt so viele als vor der Corona-Krise. Die Aussicht ist ebenfalls düster für Jugendliche und junge Erwachsene beim Berufseinstieg, wenn nicht entschieden gegengelenkt wird.

Auch im Vergleich zum Vorjahr wird sich die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen in Österreich laut einer Prognoserechnung der JKU Linz verdoppeln. Laut market-Umfrage werden bis zu 10.000 weniger Lehrstellen im Herbst verfügbar sein. Derzeit sind nur 4.000 Lehrstellen offen, während doppelt so viele Personen eine solche suchen.

Verlorene Zukunft?

Diese Entwicklungen schlagen sich bereits in den subjektiven Erwartungshaltungen in der Generation der Jugendlichen nieder: Eine qualitative Studie des Instituts für Jugendkulturforschung ergab bei der Befragung von 16- bis 29-jährigen Frauen, dass bei der Mehrheit existenzielle Ängste aufgrund Arbeitsplatzverlust bzw. sinkender Jobchancen die Wahrnehmung ihrer beruflichen Zukunft dominieren. Bei 71 Prozent der befragten jungen Frauen besteht die größte Sorge in einer Corona-bedingten Weltwirtschaftskrise.

Für Jugendliche und junge Erwachsene ist es besonders tragisch, wenn der wichtige Lebensabschnitt Berufseinstieg nicht gelingt: Es erzeugt hohen Stress, wenn Zukunftspläne der Jugendlichen scheitern und sie aufgrund der Perspektivenlosigkeit nicht in der Lage sind, sich ein eigenständiges Leben aufzubauen. Langzeitarbeitslosigkeit, Einkommensverlust und Armutsgefährdung, psychische Erkrankungen, Abkehr von der Gesellschaft sind unmittelbare schwerwiegende Auswirkungen auf die jungen Menschen in unserer Gesellschaft. Künftige Fachkräfte fehlen obendrein. Großes individuelles Leid und hohe gesellschaftliche Kosten wird die Rekordjugendarbeitslosigkeit ohne zusätzliche Fördermaßnahmen zur Folge haben.

Ausbildungsgarantie für Jugendliche

Die verantwortlichen EntscheidungsträgerInnen sind also dringendst gefordert, die Generation Jugendlicher aufzufangen, ihnen eine Chance zu geben und zu vermitteln, dass sie und ihre Fähigkeiten eine Bedeutung haben. Das Ziel muss sein, Lehrstellen zu schaffen in der Verwaltung, in staatlichen und staatsnahen Betrieben und den Lehrwerkstätten, die in der Vergangenheit sogar Kürzungen hinnehmen mussten.

Eine Ausbildungsgarantie bis 25 Jahre könnte man umsetzen, wenn Plätze in überbetrieblichen Ausbildungsstätten wie Produktionsschulen und Lehrwerkstätten aufgestockt werden, sodass diese den Lehrstellen-Rückgang anderer Betriebe ausgleichen können.

Ebenso muss das AMS-Budget wesentlich erhöht werden. Für die finanzielle Absicherung der Auszubildenden braucht es zudem eine Anhebung der Beihilfen auf 792 Euro für über 18-Jährige im dritten Lehrjahr in überbetrieblichen Lehrausbildungen (d.h. auf das Niveau vor Kürzung durch Türkis-Blau). Begleitmaßanhmen wie kostenlose Psychotherapie für junge Menschen und den Ausbau sozialraumorientierter Jugendarbeit (z.B. Jugendzentren) können junge Menschen auf ihrem Weg stärken.