König beim Zwiebelschneiden

Mein Opa wäre heuer 102 geworden, bereits Ende der 1950er ein Vorbild in Sachen Familienarbeit und Arbeitsteilung ist längst mal ein Blick fällig auf seine Koch- und Essgewohnheiten. Niemand zauberte so köstliche Salatmarinaden wie er. Berge von Zwiebeln fein zu schneiden oder Kraut zu schnippeln – da war er der King.

Haglich war er nicht, das Einzige, was niemals fehlen durfte war Zucker. Angetan hatten es ihm Kassler mit Sauerkraut und vor allem Süßes, aufgewärmter Hering in Tomatensauce, Monte-Rosa- und Kardinalschnitten vom Urbann. Eine Vorliebe hatte er auch für Brennesseltee, selbstgesammelt bei passendem Mondstand, hilfreich gegen sämtliche Unpässlichkeiten.

Selten ohne ein Kind am Arm, zuerst den eigenen, dann den Enkelkindern. Nebenbei brachte er mir das Einmaleins bei und erzählte mir selbstausgedachte Geschichten von der Fledermaus, Schulbücher einbinden war sein Metier. Sein Appetit war groß, der Mann war schließlich gut über 1,90. Erholungspausen waren selten, nachdem die Horde abgefüttert war, setzte er sich an den runden Küchentisch, schaufelte 4 Teelöffel Zucker in seinen Kaffee und widmete sich dem Gedichte schreiben.

Berta Blumenkohl

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