Kulinarisches Antidepressivum

Wenn die Tage kürzer, und die Nächte länger werden; wenn sich allerlei sonderbare Wesen mit Krummstab und Mitra nächtens in Begleitung von Kerlen in Teufelskostümen herumtreiben; wenn sich Kids zu Halloween ein Match mit der Polizei liefern, dann kommt die große Zeit der Suppen. Suppen kochen hat, wie kochen überhaupt, damit zu tun, die Welt verdaubar zu machen, nachdem das, was uns zugemutet wird, ohnehin kaum verdaulich ist. Insofern haben Suppen was Tröstliches. Wobei dieser Trost keineswegs die Versöhnung mit den gesellschaftlichen Umständen meint. Vielmehr, Suppe kräftigt und macht resistent und resilient gegen die widrigen Umstände.

Man weiche alte, geschnittene Semmeln in warmer Milch ein, vermische diese mit gerösteten Zwiebeln, Eiern, etwas Mehl, fein gehackter Petersilie, Salz und fein gewürfeltem, deftigem Bergkäse, forme kleine Laibchen und brate diese in heißem Öl he- raus. Man serviere die Kaspressknödel in heißer Rindssuppe. (Am besten selbst gemacht aus Suppenfleisch, Markknochen, Suppengemüse, Zwiebeln, Liebstöckl, Lorbeerblättern, Wacholderbeeren, Pfefferkörnern.)

In Medizinerkreisen wird diskutiert, dass Kaspressknödelsuppe durchaus Antidepressiva, ja in manchen Fällen sogar Neuroleptika ersetzen kann.

Ronald Rupoldinger

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