Die kranken Kassen

Karin Antlanger über die Amerikanisierung unserer Gesundheitsversorgung

Ich habe mich aus Sicherheitsgründen von ELGA abgemeldet. Das Video, das Strache auf Ibiza zeigte, wie er die halbe Republik verscherbeln wollte, hat mich in dieser Entscheidung bestärkt, denn wer weiß, was eine blaue Regierung in Zukunft mit meinen Gesundheits- oder Krankendaten alles anstellen könnte.

Die Umbenennung von Krankenkasse in Gesundheitskasse war purer Etikettenschwindel, der die Versicherten teuer zu stehen kam. Nicht nur was die Kosten der Zusammenlegung der unterschiedlichen Krankenkassen betrifft, sondern auch die laufende Politik dieses nunmehrig zentral geführten Versicherungsmolochs. Unter der türkis-blauen Regierung hatte man im Sinne altbewährter Klientelpolitik Beamten, Lehrer*innen und Gemeindebediensteten natürlich ihre eigenen Kassen gelassen.

Noch vor zehn Jahren meinte ich, ich würde keine Privatärzte in Anspruch nehmen, da ich ja Krankenversicherung zahle und daher Anspruch auf alle Kassenleistungen habe. Heute habe ich einen Zahnarzt, eine Hautärztin und einen Augenarzt – alle ohne Kassenvertrag. Als meine Gynäkologin in Pension ging, versuchte ich in der Innenstadt eine Gynäkologin mit Kassenvertrag zu finden. Es gäbe schon welche, aber sie nehmen

„keine neuen Patientinnen mehr“. Bei meinem privaten (!) Augenarzt wartete ich fünf Monate auf einen Termin. Das war ein Glück, weil ich als langjährige Kundin bevorzugt behandelt wurde. Neue müssen nämlich sechs Monate warten.

Wahlärzte und Selbstbehalte

Das Wahlarztsystem ist für die Gesundheitskasse ein Riesengewinn, weil sie nur 80 Prozent jenes Tarifes erstattet, den sie einem Vertragsarzt für diese Leistung bezahlt. In der Regel bekommt man daher meist nur 60 Prozent der entstandenen Kosten zurück. Verständlich, dass die Kasse kein Interesse daran hat, die Kassenverträge attraktiver zu gestalten. Die Leidtragenden sind die Versicherten, die für ihre Bei- träge immer weniger an Leistung bekommen. Und da denk ich noch nicht einmal an den Selbstbehalt bei Medikamenten.

Reparaturkosten statt Prophylaxe

Je älter man wird, desto gesundheitsbewusster wird man. Man hört auf zu rauchen, man geht zu Vorsorgeuntersuchungen, zur Mundhygiene und zum Impfen. Doch die Gesundheitskasse zahlt lieber erst dann, wenn schon ein Krankheitsfall eingetreten ist. Dazu zwei Beispiele: Die Mundhygiene wird von der Kasse sehr empfohlen und beworben – aber nicht bezahlt:

„Die Kosten werden nur übernommen, wenn der Zahnarzt selbst die Mundhygiene durchführt“ – nur macht das kein Zahnarzt, sondern die dafür eigens ausgebildeten Mundhygieneassistentinnen.

Die Gürtelrose-Impfung wird im Nationalen Impfplan für Menschen ab fünfzig Jahren sehr empfohlen, im Fernsehen und auf Plakaten beworben – aber die Krankenkasse zahlt sie nicht! Da zahlt sie lieber einen zehntägigen stationären Krankenhausaufenthalt, wenn der Herpes Zoster ins Auge geht – so geschehen bei einer Freundin – als die 400 Euro – für die beiden Teilimpfungen. Hingegen übernimmt die Lehrer*innenkrankenkasse die Impfkosten genauso wie die Kosten für Mundhygiene. In den USA sucht man sich gerne einen Betrieb, der eine Krankenversicherung bietet. In Österreich müssen wir uns bald einen Beruf suchen, der eine Versicherung bei den Lehrern oder Beamten zur Folge hat.

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