Mediale Mobilmachung

Günther Hopfgartner über die Medien im Krieg

Immer noch kennt die Qualitätspresse nur einen Reflex, wenn sie über den Feind berichtet, welcher traditionell im Osten zu stehen hat: Allgemeine Mobilmachung im Rahmen der geistigen Landesverteidigung. Wer das für überzogene Polemik hält, dem sei die Lektüre jener Twitterblasen empfohlen, die das liberale Pressewesen in Österreich minütlich aufbläst. 

Vom Zivi zum PR-Agenten

Wie da ehemalige Zivildiener zu PR-Agenten westlichen Kriegsgeräts mutieren, ist aller Unehren wert. Da werden Mehrfachraketenwerfer oder auch panzerbrechende Munition abgefeiert und vom Redaktionsschreibtisch aus die Ukraine martialisch verteidigt. Man kann dieser wehrhaft-liberalen Glaubensgemeinschaft legitimerweise und ganz legal anhängen – muss man aber nicht.

Spätestens da beginnt mein grundsätzliches Problem mit der Qualitätspresse und ihrem zunehmend autoritären Diskurs: Von Anfang an genügte es nicht, dass man von links den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins auf die Ukraine unmissverständlich verurteilte, oder das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine betonte, wenn mensch dann nebensätzlich Kritik am Verhalten der NATO oder der westlich orientierten Oligarchenfraktionen in der Ukraine äußerte. Oder auch den Konflikt in einer komplexeren Auseinandersetzung diversester nationaler wie transnationaler Kapitalfraktionen verortete. 

Unter Generalverdacht

Derzeit gerät man aber auch schon mal unter den Generalverdacht des Putinverstehens, wenn man etwa eine rasche Verhandlungslösung im mörderischen Konflikt dringend für angeraten hält, anstatt wie etwa die Mehrzahl der KollegInnen in den Schreibstuben der vierten Macht, die „westlichen Werte” – oder auch „die europäische Familie” (Macron) – blutig vorwärts verteidigen zu wollen, bis zur Niederlage der russischen Armee, samt Regime-Change in Moskau. Nur zur Klarstellung: Es geht mir hier nicht um berechtigte und notwendige Kritik an einigen Linken, die – aus welch schrägen Gründen auch immer – in Putin ihren ideellen Support-Dog in der andauernden Trauerarbeit zum Verlust des realsozialistischen Blocks von anno dazumal sehen.

Es geht vielmehr um die aggressive Ausgrenzung jeder Art von abweichender Stellungnahme zur permanenten NATO-Presseaussendung, die seit Monaten alle (links-)liberalen Kommunikationskanäle verstopft.

Vaterland in Gefahr?

Üblicherweise kennt man diesen autoritären Gestus des Liberalen vor allem dann, wenn das Vaterland beziehungsweise das eigene Investment in ebenjenes in Gefahr scheint. Aber sind das Vaterland und sein Kapital tatsächlich und ausgerechnet in der Ukraine in Nöten?

Nicht so direkt möchte man meinen, obwohl sich die Konflikte zwischen diversen kapitalistischen Staaten und Staatenbündnissen aufgrund unterschiedlicher ökonomischer und machtpolitischer Entwicklungsniveaus in den vergangenen Jahren zunehmend verschärfen. 

Die aggressive Ausgrenzung der Linken im veröffentlichten Diskurs hat seine Ursache wohl vor allem auch in der zunehmenden Erschöpfung der gesellschaftlichen Kohäsionskraft liberaler Ideologie und Praxis weltweit. Da muss mit liberaler Propaganda dann das Bewusstsein nachjustiert werden.

Und da stört dann kommunistische/sozialistische Theorie und Praxis insbesondere das Narrativ einer heroischen Abwehrschlacht des Liberalismus gegen den Rechtspopulismus, welche das Pressekorps seit geraumer Zeit mit viel Pathos ans demokratische Publikum bringen, nachhaltig.

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