Im Gedächtnisbuch

Peter März über die kommunistische Widerstandskämpferin Gisela Tschofenig-Taurer.

Das „Gedächtnisbuch Oberösterreich“ sammelt seit 2019 Biografien zu Personen, die Widerstand gegen das NS-Terrorregime geleistet haben oder die von diesem System verfolgt waren. Die einzelnen Beiträge stammen dabei von Menschen oder Initiativen, die einen persönlichen, örtlichen oder inhaltlichen Bezug zu diesen Personen haben. Zunächst wurde das so entstandene Buch im Linzer Mariendom vorgestellt und ab Mai 2022 soll es auch im Schlossmuseum Linz der Öffentlichkeit zugänglich sein. Geplant ist zudem eine regelmäßige Erweiterung.

Für 2021 sind Leopold Arthofer, Johann Gruber, Leopold Kotzmann, Aloisia Leithenmüller, Albine Rosenfels, Charlotte Taitl, Hugo Walleitner, Alois Zierler sowie die Kommunistin Gisela Tschofenig-Taurer aufgenommen worden.

Gisela Taurer, geboren am 21. Mai 1917 in Kärnten, zog mit ihrer Familie 1935 nach Linz, ein Jahr später nach Leonding. Sie absolvierte die Schule und fand eine Anstellung bei der Reichsbahn. Im April 1937 machte sie sich gemeinsam mit Margarete Gröblinger auf den Wege zu den spanischen Interbrigaden, scheiterte jedoch und blieb bis April 1938 in Lyon. Zurück in Österreich arbeitete Taurer als Kassierin am Linzer Hauptbahnhof.

Sie engagierte sich für die illegale KPÖ, leistete Kurierdienste und schrieb Flugblätter für Landesobmann und ZK-Mitglied Sepp Teufl. Von Juli 1939 bis zur Verhaftung ihres späteren Gatten Josef Tschofenig im Mai 1940 lebte sie in Berchem bei Amsterdam. Sie kehrte nach Leonding zurück und gebar im Dezember 1940 ihren Sohn Hermann. Im Juni 1944 heiratete sie in Dachau Josef Tschofenig, der im KZ eingekerkert war.

Ende September 1944 verhaftete die Gestapo Tschofenig-Taurer in Villach und überstellte sie anschließend in das Frauengefängnis Kaplanhof in Linz. Dort überstand sie den Bombenangriff am 31. März 1945 und wurde mit den anderen Überlebenden in das Arbeitserziehungslager Schörgenhub gebracht. Am 27. April 1945 wurden Gisela Tschofenig, Theresia Reindl, Risa Höllermann, Franz Popp, ein Mann namens Stadler aus Gmunden und ein unbekannter Jude erschossen.

Auf Initiative der KPÖ ist 2006 eine Straße in Linz-Ebelsberg nach Gisela-Tschofenig-Taurer benannt worden.

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