Letzte Privilegien

Karin Antlanger über Drogendeals für systemrelevante Bürgermeister

Alle wollen systemrelevant sein, anstatt das System zu bekämpfen, das ihnen einen Platz unter dem Tisch zuweist, an dem die Reichen feiern: die KrankenpflegerInnen wollen systemrelevant sein, die SupermarktkassierInnen, die PflegeassistentInnen, die BehindertenbetreuerInnen usw. Sie wurden zu Beginn der Pandemie noch beklatscht (hat ja nichts gekostet), bekamen im ersten Lockdown einmalig 500 Euro (Teilzeitkräfte selbstverständlich nur aliquot) und nun wird nicht mal mehr geklatscht.

In OÖ wurde der Begriff „systemrelevant“ mit Beginn der Corona-Impfungen um eine Spezies erweitert: nämlich um die überwiegend sozialdemokratischen und ausschließlich männlichen Bürgermeister, die sich bereitwilligst dafür aufopferten, dass kein Impfstoff in den Pflegeheimen vergeudet wird. Sie stellten sich selbstlos zur Verfügung, ließen sich in den Arm stechen und riskierten dadurch die Anfeindungen durch neiderfüllte 80- oder 90-Jährige, die noch heute auf eine Impfung warten.

SPÖ-Politiker wie der Welser Stadtrat Reindl-Schweighofer oder der ehemalige Landesrat Ackerl verteidigten die Impfvordrängler, indem sie meinten, diese seien als Bürgermeister systemrelevant. Immerhin gehen die Bürgermeister regelmäßig in die Alten- und Pflegeheime, wenn dort Geburtstagsgratulationen anstehen. Davon, dass ein geimpfter Bürgermeister in einem Heim Harnflaschen ausleert oder Windeln wechselt war nichts zu hören. Das aber wäre tatsächlich systemrelevant!

Früher hatten die Sozialdemokraten noch bessere Goodies zu vergeben: Wohnungen, Arbeitsplätze, Erholungsurlaube, Gratistickets für Veranstaltungen. Mit dem schwindenden Einfluss der SP wurden die zu verteilenden „Belohnungen“ für treue Dienste weniger. Und sie haben nichts mehr zu verlieren außer ihre letzten Privilegien in Form einer sechsten Impfung aus einer Phiole.

Vielleicht geht der Kampf um die letzten Privilegien im Wahljahr in eine nächste Runde. Vorschlag: Biontech-Pfizer für Lokalpolitiker, Moderna für brave WählerInnen und Astra-Seneca für das Fußvolk, das nicht SP wählt. In Spanien mussten der oberste Militär und andere Politiker wegen Impfvordrängelns zurücktreten. In Österreich hat jedes Kuhdorf einen systemrelevanten Bürgermeister.

Ein Kommentar zu „Letzte Privilegien

  1. Bei aller Kritik, die immer dann notwendig erscheint, wenn Bonzen und Funktionäre selbstherrlich agieren – und solche Fälle gab es und gibt es leider immer noch in der SP, erscheint mir dieser Artikel doch überzogen polemisch und wegen seiner Pauschalisierung auch beleidigend.

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